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Halbjahresrückblick 22: Die Chronik einer Auflösung

Manchmal sei es gut, nicht zu wissen, was auf einen zukomme, meinte jemand neulich. Ich ticke da anders. Ich weiß auch bei schlechten Nachrichten lieber gleich, was wie lange wie schlimm wird. Dann kann ich mich drauf einstellen. Aber was, wenn man genau das nicht abschätzen kann?  Überlegungen wie diese und anderes zum Umgang mit dem Unvorstellbaren. 

November 21// Das rasend schöne Kompliment

Dabei fing alles so freundlich an: Der Mann im strahlend weißen Anzug kommt ans Auto, in dem ich am offenen Fenster auf dem Beifahrersitz sitze und sagt: „Frau Penno! Sie sind ja so was von positiv!“ Ohhh … es gibt ihn noch, den Ritter ohne Pferd? Was für ein schönes Kompliment, wie nett.

Ein großer Teil meiner Daseinsrechtfertigung besteht schließlich darin, ohne Schönfärberei die guten Seiten der Dinge zu finden. Ich nenne das einen hoffnungsorientierten Lebensstil. Und das hat er einfach mal so gecheckt? Toll. Ich lächele ihn zum Dank freundlich an. Nur seine strenge Reaktion passt nicht ins Bild: „Sie begeben sich jetzt umgehend in Quarantäne.“

Und plötzlich erinnere ich mich wieder. Der familiäre Mediziner, der neben mir am Steuer sitzt, hatte so was schon vorher im heimischen Flur erwähnt, als er mir den Schnelltest zeigte. Und jetzt war es also bestätigt: Der Auslöser des globalen Ausnahmezustands hatte es bis in meine Zellen geschafft. Aber kein Problem: Ich fühle mich noch jung, bin fit und gesund, ne schlimme Grippe erledige ich in 3 Wochen – dann ist das hier doch in maximal 4 Wochen erledigt.

 

Source: Halbjahresrückblick 22: Die Chronik einer Auflösung

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